Ein Auto fotografieren, klingt ziemlich einfach. Kamera raus, Auto hinstellen, abdrücken – fertig. Spätestens beim ersten richtigen Autofotoshooting merkst du aber schnell, dass die Sache etwas komplexer ist.
Welche Kameraeinstellungen eignen sich? Welche Brennweite lässt ein Auto natürlich wirken? Wo positioniere ich das Fahrzeug? Welche Perspektive funktioniert? Und wieso sieht der Lack auf dem Foto plötzlich komplett anders aus als in echt?
Die erfreuliche Nachricht: Für gute Autofotos brauchst du nicht das teuerste Equipment. Viel wichtiger sind Licht, Location, Perspektive, Bildkomposition und ein sauber vorbereitetes Auto.
In diesem Leitfaden zeige ich dir Schritt für Schritt, worauf es beim Fotografieren von Autos ankommt. Von der Vorbereitung, über Kameraeinstellungen und Licht, bis zur Bildbearbeitung.
Das Wichtigste in 60 Sekunden
Wenn du gleich loslegen willst, kannst du dich für ein stehendes Auto an folgenden Rahmenbedingungen orientieren:
Auto fotografieren – meine wichtigsten Einstellungen für die meisten Fotos
| Dateiformat | RAW |
| Belichtungsmodus | Blendenvorwahl oder manuell |
| ISO | 64-100 wenn möglich |
| Blende | meistens f/5.6 – f/11 |
| Brennweite | ca. 35-50mm |
| Fokus | Einzel-AF bei stehenden Autos |
| Stativ | empfehlenswert für maximale Qualität |
| Polfilter | zum Teil hilfreich gegen störende Reflexionen |
| Licht | weich (morgens und abends) |
| Perspektive | Dreiviertel von vorne |
| Hintergrund | ruhig und passend zum Fahrzeug |
Welcher Autofotograf schreibt hier eigentlich?
Ich bin Pascal, freischaffender Autofotograf und Bildbearbeiter aus der Schweiz. Mein fotografischer Schwerpunkt liegt seit vielen Jahren auf der Inszenierung von Fahrzeugen. Zu meinen Kunden gehören unter anderem Mercedes-Benz, Volkswagen und Tesla.

Mein Ziel ist dabei nicht einfach, ein Auto korrekt abzubilden. Ich möchte Bilder erschaffen, die eine Stimmung transportieren und bei denen man gerne etwas länger hinschaut.
Um ein vernünftiges Bild von meiner fotografischen Sichtweise zu erhalten, schaust du am besten in mein Autofotografie-Portfolio.


1. Bereite das Auto auf das Fotoshooting vor
Beginnen wir mit einer Sache, die fast schon zu banal klingt: Das Auto sollte sauber sein. Und damit meine ich wirklich sauber.
In der Automobilfotografie geht es darum, ein Auto ins beste Licht zu rücken. Du willst den Charakter eines Autos zeigen. Das ist nur möglich, wenn du seine Formen (Linien, Kanten, Rundungen) herausarbeitest.
Schmutz, Insektenreste, Wasserflecken oder staubige Felgen kaschieren das Design und fallen auf hochwertigen Aufnahmen stärker auf, als man zunächst denkt. Besonders moderne Kameras mit hoher Auflösung zeigen gnadenlos jedes Detail. Das wertet dein Foto ab.
Natürlich lässt sich später in Lightroom/Photoshop einiges entfernen. Trotzdem gilt:
Alles, was du bereits vor Ort richtig machen kannst, musst du später nicht retuschieren.
In meiner Fototasche befinden sich deshalb fast immer ein Mikrofasertuch und ein Quick Detailer. Damit können kleinere Verschmutzungen unmittelbar vor der Aufnahme entfernt werden.
Achte ausserdem auf:
- saubere Scheiben
- saubere Felgen und Reifen
- störende Gegenstände im Innenraum
- korrekt geschlossene Türen, Fensterscheiben, Motorhaube und Kofferraum
- die Stellung der Vorderräder
- eingeschaltetes oder ausgeschaltetes Licht – je nach Motiv
Gerade die Stellung der Räder wird häufig unterschätzt. Bei einer Dreiviertelaufnahme kann ein leicht zur Kamera eingeschlagenes Vorderrad sehr gut funktionieren, weil dadurch die Felge sichtbar wird.
2. Das Licht entscheidet über dein Autofoto
Fotografie bedeutet übersetzt nichts anderes als „Malen mit Licht“. Gerade bei Autos wird ziemlich schnell klar, weshalb Licht eine so grosse Rolle spielt.
Ein Auto besteht aus grossen glänzenden und spiegelnden Flächen. Lack (sofern glänzend und nicht matt 😉), Scheiben, Chrom, Carbon oder Aluminium reagieren unmittelbar auf ihre Umgebung.
Du fotografierst deshalb nicht einfach nur das Auto. Du fotografierst gleichzeitig alles, was sich darin spiegelt. Das macht Autofotografie anspruchsvoll. Aber genau darin liegt auch der Reiz.
Natürliches Licht und Available Light
Für hervorragende Autofotos brauchst du nicht zwingend eigene Lichtquellen. Gerade tagsüber arbeite ich Outdoor gerne mit dem natürlichen Sonnenlicht. Und abends arbeite ich regelmässig ausschliesslich mit dem vorhandenen Licht.
In der Fotografie spricht man dabei oft von Available Light. Gemeint ist sämtliches Licht, das an der Location bereits vorhanden ist – beispielsweise Sonnenlicht, Mondschein, Strassenlaternen oder Gebäudebeleuchtung – ohne dass der Fotograf zusätzliche Lichtquellen installiert.

Künstliches Licht
Künstliches Licht beinhaltet grundsätzlich alles, was nicht natürlich ist. Externe Leuchtmittel wie Blitz und Dauerlicht ermöglichen in der Fotografie zusätzliche Kontrolle über Lichtführung, Helligkeit und Reflexionen. Das eröffnet deutlich mehr Möglichkeiten, ist allerdings auch anspruchsvoller.
Entscheidend ist weniger, ob du künstliches Licht verwendest, sondern wie das vorhandene Licht auf dem Fahrzeug liegt.
Bewege dich deshalb um das Auto herum und beobachte bewusst:
- Wo entstehen ansehnliche Reflexionen?
- Wo verschwinden Linien und Kanten?
- Welche Fahrzeugseite bekommt schönes Licht?
- Wo spiegelt sich ein Gebäude oder der Himmel?
- Was passiert, wenn das Fahrzeug (oder die Kamera) einige Meter anders positioniert wird?
Manchmal verändert eine Drehung des Autos um wenige Grad bereits die gesamte Lichtwirkung.
Die beste Uhrzeit zum Auto fotografieren
Wenn du Outdoor fotografierst, spielt die Uhrzeit eine zentrale Rolle. Die pralle Mittagssonne ist meistens schwierig. Sie erzeugt harte Kontraste, unruhige Reflexionen und sehr helle beziehungsweise sehr dunkle Flächen. Einfacher wird es bei weicherem Licht.
Ich fotografiere deshalb besonders gerne:
- kurz vor Sonnenaufgang
- am späten Nachmittag oder frühen Abend
- kurz vor und während des Sonnenuntergangs
- unmittelbar nach Sonnenuntergang
Gerade das indirekte Licht nach Sonnenuntergang kann auf Autolack fantastisch wirken. Der Himmel wird zu einer riesigen weichen Lichtquelle und zeichnet gleichmässige Reflexionen auf die Karosserie, was der Fahrzeugform zweifellos schmeichelt.
Natürlich bedeutet das manchmal, dass der Wecker verdammt früh klingelt. 😉 Aber gutes Licht ist diesen Aufwand wert.
Auch ein bedeckter Himmel kann hervorragend funktionieren. Die Wolkendecke wirkt nämlich wie eine gigantische Softbox und reduziert harte Schatten. Besonders bei dunklen Fahrzeugen kann das sehr angenehm sein, sofern sich die Wolken nicht zu dominant im Lack spiegeln.
Allerdings kann ein komplett grauer Himmel auch schnell langweilig wirken. Dann ist eine spannende Location oder stärkere Bildkomposition besonders wichtig.
3. Die richtige Location für Autofotografie
Neben dem Licht ist die Location einer der grössten Faktoren für ein gutes Autofoto. Ich behaupte gerne: Eine gute Location ist die halbe Miete.

Sie sollte allerdings nicht nur schön aussehen, sondern zum jeweiligen Auto passen. Ein Sportwagen, eine Luxuslimousine und ein Geländewagen erzählen drei komplett unterschiedliche Geschichten. Überlege dir deshalb vor dem Shooting:
Wofür steht dieses Fahrzeug?
Für Geschwindigkeit? Luxus? Abenteuer? Motorsport? Elektro? Understatement? Danach suchst du eine Umgebung, welche diese Eigenschaften unterstützt.
Achte auf einen ruhigen Hintergrund
Die wichtigste Regel lautet:
Der Hintergrund darf dem Auto nicht die Show stehlen. Er darf aber auch nicht abwertend wirken.
Mülltonnen, Verkehrsschilder, Laternen, parkierte Fahrzeuge, Menschen oder ein Strommast, der direkt aus dem Dach wächst, können ein ansonsten gutes Bild ruinieren. Fotografie ist sehr häufig die Kunst des Weglassens.
Bevor ich die Kamera aufstelle, schaue ich mir deshalb den Hintergrund bewusst an.
Kann ich zwei Meter weiter links fotografieren und so den nachträglichen Retuscheaufwand reduzieren? Kann das Auto etwas nach vorne, um die Mülltonne zu verdecken? Kann ich mit einer längeren Brennweite störende Elemente ausblenden?
Kleine Änderungen haben oft eine grosse Wirkung.
Indoor oder Outdoor?
Beides funktioniert hervorragend für das Inszenieren von Autos.
Outdoor bieten sich beispielsweise an:
- moderne Architektur
- Industriegebiete
- Bergstrassen und Pässe
- Parkhäuser
- grosse (Park-)Plätze
- interessante Strassen
- urbane Umgebungen / City
- Landschaften
Indoor können Lagerhallen, Industriehallen, Garagen oder Studios sehr spannend sein.
Ein professionelles Fotostudio bietet selbstverständlich perfekte Bedingungen. Studios gibt es mittlerweile sogar Outdoor; sogenannte Daylight-Studios. Jene erfreuen sich besonders bei den Herstellern wachsender Beliebtheit.

Der Vorteil eines Studios für die Autofotografie liegt auf der Hand. Du hast in einer cleanen Umgebung maximale Kontrolle über Licht und Reflexionen. Dafür braucht es für Autos entsprechend grosses Lichtequipment und idealerweise helfende Hände. Allerdings fallen Kosten für Location, Equipment und Personal an. Für den Einstieg ist das nicht notwendig.
Eine gute Outdoor- oder Indoor-Location mit schönem Licht kann genauso eindrucksvolle Resultate liefern.

Meine persönliche Locationliste
Wenn ich unterwegs eine interessante Location sehe, fotografiere ich sie mit dem Smartphone und speichere sie ab. Über die Jahre entsteht so eine kleine Datenbank potenzieller Shooting-Locations. Das kann ich jedem Autofotografen empfehlen.
Denn wenn plötzlich ein interessantes Fahrzeug für ein Shooting verfügbar ist, musst du nicht erst bei null anfangen. Nichtsdestotrotz hilft dir auch die eigene Datenbank nicht in jedem Fall weiter. Dann heisst es: Backen zusammenkneifen, rausgehen und «Locationscouting» betreiben. Als Digital Native kannst du natürlich auch mit Google Maps und Street View potenzielle Spots erkunden.
4. Die besten Perspektiven für Autofotografie
Es gibt einen Grund, weshalb Automobilhersteller ihre Fahrzeuge immer wieder aus ähnlichen Winkeln zeigen: Bestimmte Perspektiven funktionieren einfach.
Zu den klassischen Pflichtaufnahmen gehören:
- Dreiviertelansicht vorne
- Frontansicht
- Seitenansicht
- Dreiviertelansicht hinten
- Heckansicht
- Cockpit






Wenn ich nur eine einzige Perspektive auswählen müsste, wäre es sehr wahrscheinlich die Dreiviertelansicht von vorne.
Sie zeigt gleichzeitig Front und Fahrzeugseite und vermittelt dadurch sehr gut die Form und Proportionen des Autos. Kein Wunder, werden die Heroshots meistens in dieser Perspektive geschossen. Die Webseiten der Automobilhersteller unterstreichen das.
Die Dreiviertelansicht umsetzen
Beginne ungefähr auf Höhe des vorderen Fahrzeugecks und bewege dich anschliessend bei Bedarf etwas zur Seite auf Höhe der vorderen Felge. Achte dabei besonders darauf, wie viel Front und wie viel Seite sichtbar sind.
Es gibt hier keine mathematisch perfekte Position. Du musst hinschauen.

Ein VW Multivan funktioniert beispielsweise aus anderen Winkeln als ein Mercedes-AMG SLS mit seiner extrem langen Motorhaube.
Jedes Auto besitzt seine eigene Schokoladenseite. Suche sie.
Kamerahöhe
Ein sehr häufiger Anfängerfehler ist, jedes Auto bequem aus Augenhöhe zu fotografieren. Autos sind deutlich niedriger als wir Menschen. Wenn du das Fahrzeug immer aus 1,70 Meter Höhe fotografierst, schaust du auf das Auto hinunter.
Deshalb gilt: Bewegen!
Geh in die Knie, stelle das Stativ tiefer und probiere unterschiedliche Höhen aus.
Eine Kameraposition ungefähr auf Höhe der Scheinwerfer oder leicht darüber ist für viele klassische Aufnahmen ein guter Ausgangspunkt. Das bedeutet aber nicht, dass jede Aufnahme tief sein muss.
Auch eine bewusst erhöhte Perspektive kann hervorragend funktionieren – wenn sie zur Bildidee passt. Heute werden für Vogelperspektiven gerne Drohnen eingesetzt.

Die Gefahr bei erhöhten Aufnahmestandorten ist, dass das Fahrzeug plötzlich wie ein Miniaturmodell wirkt.
Details nicht vergessen
Ein vollständiges Autofotoshooting besteht nicht nur aus Gesamtaufnahmen. Details machen das Auto erst fühlbar.







Fotografiere unbedingt auch:
- Felgen
- Bremsanlage
- Scheinwerfer
- Rückleuchten
- Logos und Embleme
- Auspuff
- Carbonteile
- Sitze
- Lenkrad
- Cockpit
- spezielle Designmerkmale
Suche nach Texturen, Licht- und Schattenspielen oder Mustern. Das sorgt für Spannung und Abwechslung.
Gerade bei Detailaufnahmen darfst du mit offener Blende arbeiten und einzelne Bereiche bewusst in der Unschärfe verschwinden lassen. Eine lichtstarke Festbrennweite kann helfen.
Die Kombination aus Hero Shots, klassischen Fahrzeugansichten und Details ergibt am Ende eine deutlich interessantere Bildserie.
5. Kameraeinstellungen beim Auto fotografieren
Kommen wir zu einer der häufigsten Fragen:
Welche Kameraeinstellungen brauche ich für Autofotografie?
Eine einzige perfekte Einstellung gibt es nicht. Sie hängt davon ab, ob das Auto steht oder fährt, wie viel Licht vorhanden ist, wie die Gegebenheiten vor Ort aussehen und welchen Bildlook du erzielen möchtest.
Trotzdem gibt es sinnvolle Ausgangswerte.
Belichtungsmodi: Der Automatikmodus ist tabu. Bei einem stehenden Auto bedienst du die Kamera über die Blendenvorwahl (bei Nikon „A“) oder manuell. Der Modus A wird auch Zeitautomatik genannt. Bei „Fahrtaufnahmen“ eignen sich Zeitvorwahl (Nikon „S“ / auch Blendenautomatik genannt) sowie der manuelle Modus besser.
Wenn du mit externen Lichtquellen arbeitest, brauchst du die manuelle Belichtungssteuerung „M“.
Kameraeinstellungen für ein stehendes Auto bei natürlichem Licht
Für hochwertige Stills starte ich meistens ungefähr hier:
RAW
ISO 64–100
Blende f/8
A/Av (Blendenvorwahl) oder manueller Modus
Stativ
Die Verschlusszeit ergibt sich aus den Lichtverhältnissen.
Mit einem Stativ ist es grundsätzlich egal, ob die Kamera 1/200 Sekunde oder mehrere Sekunden belichtet – solange sich das Fahrzeug und die Umgebung nicht unerwünscht bewegen.
ISO
Halte den ISO-Wert wenn möglich niedrig.
Bei den meisten Kameras bedeutet das ISO 100. Einige Modelle bieten ISO 64 oder ähnlich niedrige native Werte.
Ein tiefer ISO-Wert sorgt für maximale Bildqualität und gibt dir besonders bei intensiver Nachbearbeitung mehr Reserven. Je höher der ISO Wert, umso heller wird dein Foto. Gleichzeitig steigt das Bildrauschen an.
Wenn du freihändig fotografierst oder das Auto fährt, darfst und sollst du – sofern es die Lichtverhältnisse erfordern – den ISO-Wert natürlich erhöhen.
Ein scharfes Bild bei ISO 400 ist selbstverständlich besser als ein verwackeltes Bild bei ISO 100.
Welche Blende bei Autofotografie?
Für klassische Gesamtaufnahmen eines stehenden Autos verwende ich sehr häufig f/8.

Je nach Distanz, Brennweite und gewünschter Schärfentiefe funktioniert der Bereich zwischen f/5.6 und f/11 hervorragend.
Bei einem klassischen Dreiviertel-Hero-Shot möchte ich prinzipiell das gesamte Fahrzeug scharf darstellen. Eine extrem offene Blende wie f/1.4 ist dafür selten sinnvoll, da sonst Teilbereiche des Fahrzeugs in der Unschärfe verschwinden. Das mag für Instagram vielleicht funktionieren, in der Werbung muss das Fahrzeug jedoch komplett scharf zu sehen sein.
Anders sieht es bei Details oder Moodshots aus. Dort kann eine offene Blende gezielt eingesetzt werden, um das Motiv vom Hintergrund zu trennen oder Unschärfe als Gestaltungselement einzubinden.

Welche Verschlusszeit?
Bei einem stehenden Fahrzeug mit Stativ ist die Verschlusszeit relativ unkompliziert und sekundär. Zumal bei der Blendenvorwahl dir die Kamera den entsprechenden Wert automatisch vorgibt.
Bei fahrenden Autos wird sie hingegen zum kreativen Werkzeug. Schliesslich willst du Dynamik erzeugen.
Als Ausgangspunkt für Mitzieher oder Car-to-Car-Aufnahmen kannst du beispielsweise mit 1/100 oder 1/125 Sekunde beginnen. Aufgrund der Abhängigkeit zur Geschwindigkeit des Autos (egal ob beim Rollingshot aus dem fahrenden Auto heraus oder dem Mitzieher) musst du die Belichtungszeit allenfalls anpassen.
Taste dich an längere Zeiten heran:
1/80 s
1/60 s
1/40 s
1/30 s
Je länger die Belichtungszeit (und/oder je höher die Geschwindigkeit), desto stärker wird der Bewegungseffekt – gleichzeitig steigt allerdings der Ausschuss. Auch Zeiten um 1/15 Sekunde können funktionieren. Dann wird es allerdings sportlich.

Zahlreiche unscharfe Bilder gehören bei Rollingshots und Mitziehern dazu. Das passiert auch erfahrenen Fotografen.
Wenn die Belichtungszeit allerdings sehr kurz wird – zum Beispiel eine 1/1000 Sekunde – dann beginnt die Bewegung «einzufrieren». Das Fahrzeug wird zwar scharf, aber die Dynamik geht verloren.
PS: Neuere Kameras mit integrierter Bildstabilisierung (IBIS) sind für dynamische Fahrtaufnahmen von Vorteil. Ausserdem sind Objektive mit integriertem Stabi hilfreich. Bei Nikon nennt sich der entsprechende Objektivzusatz VR. Damit wird die Verwacklungsunschärfe reduziert. Folglich minimiert sich der unscharfe „Bildausschuss“.
Kameraeinstellungen – Schnelle Übersicht
| Situation | ISO | Blende | Verschlusszeit |
| Statisches Auto | 64–200 | f/5.6–f/11 | abhängig vom Licht |
| Detailaufnahme | 64–400 | f/1.8–f/5.6 | abhängig vom Licht |
| Mitzieher | 100–800 | f/5.6–f/11 | ca. 1/15–1/125 s |
| Car-to-Car | 100–800 | f/5.6–f/11 | ca. 1/15–1/125 s |
| Nacht mit Stativ | 64–200 | f/5.6–f/11 | mehrere Sekunden möglich |
| Lightpainting | 64–200 | ca. f/8–f/11 | mehrere Sekunden |
Die Werte sind bewusst nur Ausgangspunkte. Es gibt keine Autofotografie-Polizei, welche dich bei ISO 400 und f/2.8 abführt. 😉
Experimentieren gehört dazu. Nur so entsteht schlussendlich deine ganz persönliche Bildsprache; dein eigener Stil.
6. Welche Kamera braucht man für Autofotografie?
Mit nahezu jeder aktuellen spiegellosen Systemkamera kannst du hervorragende Autofotos erstellen. Aber auch digitale Spiegelreflexkameras erweisen nach wie vor einen fantastischen Dienst.
APS-C funktioniert. Vollformat funktioniert. Mittelformat sowieso.
Auch kleinere Sensorsysteme können sehr gute Ergebnisse liefern. Ja, zur Not tut es auch ein Smartphone.
Ein grösserer Sensor und eine hochauflösende Kamera bieten bei professionellen Produktionen natürlich gewisse Vorteile – beispielsweise eine bessere Bildqualität, mehr Reserven beim Dynamikumfang, Croppingpotenzial oder mehr Potenzial bei aufwendiger Postproduktion.

Für den Einstieg sind diese Unterschiede aber deutlich weniger wichtig als:
- das richtige Licht
- die passende Perspektive
- eine gute Location
- saubere Kameraarbeit
- Bildbearbeitung
Kaufe deshalb nicht sofort eine neue – teurere – Kamera, nur weil deine Autofotos noch nicht so aussehen wie gewünscht. Sehr wahrscheinlich liegt der grösste Hebel woanders. Glaub mir, ich habe exakt diesen Fall selbst auf die harte Tour lernen müssen. 😉
Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest, findest du in meinem separaten Beitrag ausführliche Informationen dazu, mit welcher Kamera ich Autos fotografiere und worauf ich bei der Auswahl achte.
7. Welches Objektiv für Autofotografie?
Die Objektivwahl beeinflusst die Form eines Autos stärker, als viele denken.
Für klassische Aufnahmen stehender Fahrzeuge bewege ich mich am Vollformat häufig ungefähr zwischen 35 und 50 Millimetern. Dieser Brennweitenbereich erzeugt eine natürliche Darstellung und eignet sich hervorragend für klassische Dreiviertelansichten, da er der automobilen Form nicht schadet.
Ein 24–70mm-Zoom ist deshalb eines der universellsten Objektive für Autofotografie und auch im professionellen Bereich meistens anzutreffen.
Vorsicht mit extremem Weitwinkel
Natürlich kannst du ein Auto auch mit 14 oder 20mm fotografieren.
Das Problem:
Je näher du mit einem extremen Weitwinkel ans Fahrzeug gehst, desto stärker verändern sich die Proportionen. Die Front wird riesig, während das Heck optisch schrumpft.
Das kann als bewusster Effekt durchaus cool sein. Für eine natürliche, hochwertige Darstellung eines Autos würde ich damit allerdings vorsichtig umgehen. Extreme Weitwinkel verzerren das Erscheinungsbild zu stark, sofern du nahe am Motiv bist.

Teleobjektive
Auch längere Brennweiten können spannend sein. Mit 85, 105, 135 oder sogar 200 mm wird die Perspektive stärker komprimiert.
Das kann besonders bei:
- Detailaufnahmen
- Motorsport
- fahrenden Autos
- Landschaftsaufnahmen mit Fahrzeug
hervorragend funktionieren.
Für die meisten Standard-Anwendungsfälle sind Teleobjektive à la 70-200mm aber eindeutig zu lang. Wenn du nur ein einziges Objektiv für die Autofotografie mitnehmen möchtest, ist ein 24–70mm 2.8 meiner Meinung nach immer die bessere Wahl.
Mehr Details findest du in meinem ausführlichen Artikel zum Thema Objektiv für Fahrzeugfotografie.
8. Welches Zubehör ist wirklich sinnvoll?
Du brauchst keinen Lieferwagen voller Equipment. Vor allem zu Beginn der Fotografiekarriere ist weniger mehr.
Meine Basics-Empfehlungen:
- Kamera
- Objektiv
- Speicherkarten
- Ersatzakku
- Fotorucksack
- Stativ
- LensPen zur Objektivreinigung
- Mikrofasertuch
- Quick Detailer
- Computer oder Laptop mit Lightroom & Photoshop
Nice to have:
- Polfilter (CPL)
- Blitz
- Dauerlichter
- Drohne
- Lichtformer und Lampenstative
- Fernauslöser
- Reflektoren
- weitere Filter (Mist, Star, ND, etc.)
- uvm.
Stativ
Bei aufwendigeren Beautyshots arbeite ich sehr gerne mit einem stabilen Dreibeinstativ.
Das hat mehrere Vorteile. Du kannst mit niedriger ISO arbeiten, mehrere identische Belichtungen erstellen und später unterschiedliche Lichtsetzungen miteinander kombinieren. Gerade wenn ein finales Bild aus mehreren Aufnahmen zusammengesetzt werden soll, ist eine unveränderte Kameraposition elementar.
Für spontane Moodshots oder dynamische Aufnahmen arbeite ich dagegen auch gerne freihändig.
Polfilter
Ein zirkularer Polfilter (CPL, circular polarizer) kann Reflexionen auf Lack und Scheiben reduzieren. Durch Drehen des Filters kannst du dessen Wirkung verändern und Spiegelungen «aus dem Bild drehen».
Ich persönlich verwende einen Polfilter in der Autofotografie relativ selten. Andere Autofotografen schwören darauf. Beides ist legitim und am Ende des Tages persönliches Empfinden respektive eine Frage des Geschmacks.
Wichtig ist zu verstehen, was der Filter macht, was er kann und was nicht – und ihn nicht automatisch auf jedes Objektiv zu schrauben. Schliesslich kostet ein Filter immer Licht.
Mehr zum Thema erfährst du unter anderem in meinem E-Book.
9. Reflexionen auf dem Autolack kontrollieren
Glänzender Autolack verhält sich teilweise wie ein Spiegel. Dunkle Lacke trumpfen hierbei besonders auf. Genau deshalb gehört die Kontrolle von Reflexionen zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Autofotografen.
Eine Reflexion ist nicht automatisch schlecht. Auch wenn dir das dein Gehirn in der Anfangszeit regelmässig suggeriert.
Reflexionen zeigen die Form des Autos.
Problematisch werden sie erst, wenn sie unruhig sind oder wichtige Linien des Fahrzeugs zerstören.
Deshalb achte ich vor Ort bewusst auf die Umgebung und die entsprechenden Spiegelungen im Autolack. Eine weitläufige Wiese kann beispielsweise eine gleichmässige Reflexion über die Fahrzeugseite zeichnen.
Ein Wald voller Bäume kann dagegen dutzende kleine, chaotische Reflexionen erzeugen, welche die Fahrzeugform total «stören».

Bei schwierigen Reflexionen hast du mehrere Möglichkeiten:
- Fahrzeug umpositionieren
- Kamera verschieben
- Aufnahmewinkel verändern
- Polfilter einsetzen
- künstliches Licht setzen
- mehrere Belichtungen erstellen
- problematische Bereiche später retuschieren
10. Fahrende Autos fotografieren
Ein fahrendes Auto vermittelt automatisch mehr Dynamik als ein stehendes Fahrzeug. Dafür gibt es verschiedene Techniken.
Mitzieher (Panning Shot)
Beim klassischen Mitzieher stehst du am Strassenrand und folgst dem vorbeifahrenden Fahrzeug während der Belichtung mit der Kamera. Ein Kameraschwenk.
Das Ziel:
Das Auto bleibt möglichst scharf, während der Hintergrund durch die Bewegung verwischt. Beginne beispielsweise mit 1/125 Sekunde und verlängere danach schrittweise die Belichtungszeit. Mit etwas Mut und Übung gehen auch Belichtungszeiten um die 1/10s.

Car-to-Car (Rolling Shot)
Beim Car-to-Car fotografierst du aus einem fahrenden Fahrzeug ein zweites fahrendes Auto. Da sich beide Fahrzeuge bewegen, kann bereits bei relativ langsamen Geschwindigkeiten ein starker Bewegungseindruck entstehen. Belichtungszeiten zwischen 1/15 bis 1/125 Sekunden sind je nach Geschwindigkeit der Sweet Spot.
Sicherheit und das Beachten der geltenden Strassenverkehrsgesetze gehen bei dieser Aufnahmetechnik selbstverständlich immer vor.

Rig Shot
Bei einem klassischen Rig Shot wird die Kamera über eine Konstruktion mit dem Fahrzeug verbunden. Anschliessend wird das Auto langsam bewegt und länger belichtet.
Dadurch bleibt das Fahrzeug scharf, während sich die Umgebung bewegt.
Heute lässt sich ein ähnlicher Look auch digital mit Software wie Virtual-Rig oder Photoshop erzeugen.
Mehr zu allen Varianten findest du in meinem ausführlichen Artikel über fahrende Autos fotografieren.
11. Autos mit Blitz oder Dauerlicht fotografieren
Du brauchst keinen Blitz, um gute Autofotos zu machen. Aber künstliches Licht gibt dir zusätzliche Kontrolle und ermöglicht dir, komplett andere Stimmungen zu erzeugen.
Besonders interessant wird es beispielsweise bei starkem Gegenlicht.
Wenn der Hintergrund hell ist und die dem Fotografen zugewandte Fahrzeugseite im Schatten liegt, kannst du mit einem Blitz gezielt Licht hinzufügen und das Motiv aufhellen.
Auch bei Aufnahmen mit Wasser oder fliegenden Tropfen kann Blitzlicht enorm hilfreich sein, weil die sehr kurze Blitzdauer Bewegungen einfrieren lässt und gleichzeitig dem Auto die notwenige Helligkeit liefert.
Reicht ein Blitz? Ja. Du brauchst nicht zwingend fünf Blitzköpfe. Die Geldbörse sagt leise DANKE. 😉
Wenn das Fahrzeug steht und die Kamera auf einem Stativ befestigt ist, kannst du mit einem einzigen Blitz mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Lichtsetzung fotografieren.
Du beleuchtest beispielsweise nacheinander:
- Front
- Seite
- Heck
Anschliessend werden die gewünschten Bereiche in Photoshop miteinander kombiniert. So entsteht ein perfekt ausgeleuchtetes Fahrzeug. Genau solche Techniken werden bei aufwendigeren Automotive-Beautyshots interessant.


Lightpainting
Eine weitere Möglichkeit ist Lightpainting.
Dabei verwendest du eine lange Belichtungszeit und bewegst eine Lichtquelle während der Aufnahme entlang des Fahrzeugs. Das funktioniert besonders gut bei dunklen Locations oder nachts.
Mit LED-Lichtern oder anderen mobilen Lichtquellen (Taschenlampen, Strahler etc.) kannst du dadurch sehr kontrollierte Reflexionen auf dem Lack erzeugen.
12. Autos bei Nacht fotografieren
Nachtaufnahmen können unglaublich viel Stimmung erzeugen.
Du kannst dabei vorhandenes Licht verwenden:
- Strassenbeleuchtung
- Schaufenster
- Gebäude
- Neonlicht
- Parkhäuser
- Tankstellen
Oder du bringst deine eigenen Lichtquellen mit.
Mit einem Stativ kannst du problemlos mehrere Sekunden belichten und dadurch auch bei sehr wenig Umgebungslicht mit niedrigen ISO-Werten arbeiten. Gerade hier solltest du besonders auf unterschiedliche Farbtemperaturen achten.
LED, Neonlicht, Strassenbeleuchtung und Scheinwerfer können komplett unterschiedliche Farbtöne erzeugen. Das kann störend sein – oder genau den Look des Bildes ausmachen.
Mehr zu diesem Thema findest du in meinem separaten Beitrag über Autofotografie in der Nacht.
13. Bildkomposition: Weniger ist häufig mehr
Ein technisch korrekt fotografiertes Auto ist noch lange kein gutes Bild. Die Bildkomposition entscheidet, wohin der Blick des Betrachters wandert. Eine gute Bildgestaltung hat massgeblich Einfluss auf die Wirkung des Fotos.

Überlege dir bewusst:
- Wo befindet sich das Auto im Bild?
- Wie viel «Bild» soll das Auto einnehmen?
- Gibt es einen Vordergrund?
- Welche Linien führen zum Fahrzeug?
- Ist der Hintergrund ruhig?
- Gibt es störende Bereiche?
- Braucht das Fahrzeug in Fahrtrichtung mehr Raum?
Gerade bei einem stehenden Auto muss das Fahrzeug nicht zwangsläufig immer exakt in der Bildmitte stehen. Das unterstreicht die Drittel-Regel.

Eine Strasse, eine Gebäudekante, Strassenmarkierungen oder ein Schatten kann den Blick gezielt Richtung Auto führen. Solche Führungslinien sind ein praktisches Gestaltungselement.
Gleiches gilt für Objekte im Vordergrund. Damit verhilfst du deinem Bild zu mehr «Tiefe», da es sich in Vordergrund, Motiv und Hintergrund einteilen lässt. Probiere das unbedingt aus.
14. Querformat oder Hochformat?
Ein Auto ist grundsätzlich breiter als hoch. Deshalb präferiere und empfehle ich ganz klar Querformat in der Autofotografie! Trotzdem hat sich die Bildnutzung in den letzten Jahren stark verändert.
Social Media verlangt zunehmend:
- 3:4 / 4:5
- 9:16
- Hochformat
- genügend Raum für Text oder Layout


Wenn ich weiss, dass Bilder später auch für Social Media benötigt werden, berücksichtige ich dies bereits beim Shooting.
Entweder fotografiere ich zusätzliche Hochformate oder ich lasse bei ausgewählten Querformat-Aufnahmen bewusst genügend Platz rund um das Fahrzeug, damit später verschiedene Ausschnitte möglich sind.
Das ist insbesondere bei kommerziellen Produktionen wichtig. Ein tolles Bild bringt wenig, wenn es sich für den vorgesehenen Einsatzzweck nicht verwenden lässt.
15. Erstelle nicht nur ein Bild – erstelle eine Serie
Ein einzelner Hero Shot ist schön. Eine durchdachte, zusammenhängende Bildserie ist besser. Entweder erkennbar durch deren Homogenität oder der erzählten Story.
Je besser deine Technik wird – nicht das Equipment, sondern deine Fotoskills – umso intensiver setzt du dich mit der Fotografie auseinander. Das Zeigen mehrerer zusammengehörender Fotos und das Erzählen von Geschichten in Form von Bildern erlangt einen höheren Stellenwert.
Ja, auch Autofotos können perfektes Storytelling betreiben. Vor allem wenn du grösser denkst und entsprechende Serien erstellst.
Autoschlüssel auf dem Tisch. Person läuft, das Auto in der Hintergrundunschärfe erkennbar. Markenemblem. Fahrtaufnahme. Heckansicht in der Garage. Ende.
Mache dir unbedingt vorgängig Gedanken zu einer potenziellen Geschichte. Und versuche während eines Shootings unterschiedliche Bildtypen miteinander zu kombinieren. Das wertet auf!
Hero Shots
- 3/4 vorne
- 3/4 hinten
klassische Ansichten
- Front
- Heck
- Seitenansicht
- Cockpit
Details
- Felgen
- Scheinwerfer
- Interieur / Fond / Sitze
- Embleme
kreative Bilder
- Spiegelungen
- Bewegung/Dynamik
- ungewöhnliche Perspektiven
- Vordergrundelemente
- Nachtaufnahmen
Wenn Licht, Farblook und Story zusammenpassen, entsteht dadurch eine abwechslungsreiche Vielfalt.



Und genau das unterscheidet eine Bildserie häufig von einer zufälligen Sammlung einzelner Autofotos.
Probiere mit den Bildern etwas auszusagen. Etwas zu erzählen. Damit setzt du dich zwangsläufig intensiver mit der Fotografie auseinander und hievst deine fotografische Sichtweise auf das nächsthöhere Level.
16. Autofotos bearbeiten: Lightroom oder Photoshop?
Die Bildbearbeitung gehört zur Fotografie wie das Amen in der Kirche. Das bedeutet allerdings nicht, dass vor Ort schlampig gearbeitet werden sollte.
Ganz im Gegenteil. Je besser das Ausgangsmaterial, desto einfacher und effizienter die Postproduktion.
Meine Bilder durchlaufen – je nach Anspruch – unterschiedliche Workflows.
Lightroom
Lightroom eignet sich hervorragend für:
- RAW-Entwicklung
- Belichtung
- Weissabgleich
- Kontrast
- Farben / Color Grading
- lokale Anpassungen
- Einfachere Masken und Retuschen
- Lookentwicklung mit Hilfe von Presets
Für viele natürliche Moodshots reicht Lightroom bereits sehr weit.

Photoshop
Wird die Arbeit komplexer oder sind die Ansprüche sehr hoch, wähle ich für die Bildbearbeitung stets Photoshop. Besonders bei aufwendigeren Beautyshots arbeite ich hauptsächlich in Photoshop, nachdem ich in Lightroom lediglich erste Basic-Anpassungen vorgenommen habe.
In Photoshop geht es unter anderem um:
- mehrere Belichtungen kombinieren
- Reflexionen kontrollieren/optimieren
- störende Elemente entfernen
- Exaktere Retuschen
- Lichtführung und Stimmung verstärken
- Himmel oder Hintergrund optimieren
- Color Grading
- komplexere Composings


Bei professionelleren Automotive-Produktionen besteht das finale Bild nicht selten aus mehreren Einzelaufnahmen. Beispielsweise kann eine Aufnahme das perfekte Licht auf der Front enthalten, während eine zweite Belichtung für die Fahrzeugseite und eine dritte für den Himmel verwendet wird. Diese Aufnahmen werden anschliessend zu einem finalen Bild zusammengesetzt.
Das ist einer der Gründe, weshalb ich bei solchen Produktionen fast ausschliesslich mit Stativ arbeite.
Du kannst es dir bestimmt schon denken… Ja, die Bildbearbeitung erfordert einiges an Übung. Es dauerte auch bei mir länger, bis die Postproduktion sich sichtlich verbesserte und ich ein besseres Verständnis für die Retusche erlangte.
Um dir in diesem Bereich zu helfen und die Zeitspanne zu verkürzen, habe ich einerseits Lightroom Presets erstellt. Zusätzlich arbeite ich an Photoshop Tutorials, die dir den Umgang für anspruchsvollere Aufgaben erleichtern sollen. Willst du nichts verpassen? Dann trage dich unbedingt in die Warteliste ein.
17. Die häufigsten Fehler beim Auto fotografieren
Wenn deine Autofotos noch nicht so aussehen wie gewünscht, liegt es häufig nicht an der Kamera. Die Person hinter dem Auslöser ist meistens von grösserer Bedeutung. 😉
Diese Fehler sehe ich besonders oft:
1. Das Auto ist schmutzig
Was banal klingt, kann das komplette Bild entwerten.
2. Die Location passt nicht zum Fahrzeug
Ein Supersportwagen mitten auf einer zufälligen Wiese wirkt meistens «billig» und mehr nach Autotreffen als richtiger Autofotografie.
3. Zu viele störende Elemente im Hintergrund
Mülleimer, Verkehrsschilder und parkierte Autos lenken vom eigentlichen Motiv ab und verursachen Chaos.
4. Zu extremer Weitwinkel
Dadurch werden die Fahrzeugproportionen schnell unnatürlich.
5. Immer aus Augenhöhe fotografieren
Geh runter. Arbeite für die wichtigsten Fotos auf Scheinwerferhöhe.
6. Hartes Mittagslicht meiden
Manchmal lässt es sich nicht vermeiden. Wenn du die Wahl hast, sind weichere Lichtbedingungen dankbarer.
7. Reflexionen nicht beachten
Schau nicht nur auf das Auto – schau auf das, was sich darin spiegelt. Den Fotografen im Lack zu erkennen, wirkt unprofessionell.
8. Nur ein einziges Motiv fotografieren
Erstelle eine Serie aus Hero Shots, klassischen Ansichten und Details.
9. Sich zu stark auf Equipment konzentrieren
Die neueste Kamera rettet keine schlechte Location, kein schlechtes Licht und schon gar kein schlechtes Foto.
10. Zu wenig experimentieren
Wenn du die Pflichtaufnahmen im Kasten hast, ändere etwas.
Andere Brennweite. Andere Höhe. Andere Position. Genau dabei entstehen häufig die interessantesten Bilder.
18. Wie kommt man an interessante Autos zum Fotografieren?
Eine Frage, die mir regelmässig gestellt wird: Wie kommst du eigentlich an all diese Autos?
Die Antwort ist relativ unspektakulär. Mittlerweile durch Aufträge und Kunden. Aber zu Beginn war es anders. Auch ich kannte am Anfang keine Lamborghini-, Ferrari- und Porsche-Besitzer. Meinen ersten Ferrari habe ich etwa drei Jahre nach dem Kamerakauf bewusst fotografiert. 😉
Man startet mit dem, was verfügbar ist. Das eigene Auto. Das Auto eines Freundes. Das Fahrzeug eines Familienmitglieds oder von Arbeitskollegen. Und dann versucht man, daraus möglichst gute Bilder zu machen.
Wenn deine Arbeit besser wird und du kontinuierlich ein Portfolio aufbaust, öffnen sich automatisch neue Türen. Heute macht Social Media die Kontaktaufnahme zusätzlich relativ einfach. Wenn dir ein interessantes Fahrzeug auffällt, kannst du den Besitzer höflich anschreiben und eine konkrete Shooting-Idee präsentieren.
Wichtig ist allerdings: Versprich nur das, was du auch liefern kannst.
Ein starkes Portfolio ist langfristig die beste Visitenkarte und das Fundament dafür, dass Leute auf dich aufmerksam werden und konkret für fotografische Dienstleistungen anfragen.
19. Meine wichtigsten Autofotografie-Tipps zusammengefasst
Wenn du aus diesem ganzen Leitfaden nur einige Punkte mitnehmen möchtest, dann diese:
1. Fotografiere möglichst im RAW-Format
Damit hast du bei der späteren Bearbeitung deutlich mehr Reserven.
2. Halte den ISO-Wert bei stehenden Fahrzeugen möglichst tief
Mit einem Stativ ist das problemlos möglich.
3. f/8 ist ein hervorragender Ausgangspunkt
Besonders bei klassischen Fahrzeugaufnahmen, bei denen das komplette Auto scharf dargestellt werden soll.
4. Beginne mit natürlichen Brennweiten
35 bis 50mm funktionieren für viele Situationen hervorragend.
5. Achte stärker auf Licht als auf Equipment
Gutes Licht mit einer günstigen Kamera schlägt schlechtes Licht mit der teuersten Kamera.
6. Die Location muss zum Fahrzeug passen
Das Umfeld ist ein elementarer Bestandteil des Bildes. Für mich macht die Location gefühlt die halbe Miete aus.
7. Kontrolliere Reflexionen
Besonders auf dunklem Lack. Weitläufige Locations können helfen und für «Ruhe» sorgen.
8. Geh in die Knie
Verändere deine Kamerahöhe und fotografiere die wichtigen Shots etwa auf Scheinwerferhöhe.
9. Erstelle zuerst die Pflichtaufnahmen
Zuerst die Fotos, die du zwingend haben musst. Danach kannst du experimentieren.
10. Dein bestes Autofoto hast du wahrscheinlich noch nicht gemacht
Und genau deshalb solltest du weiter fotografieren. Dein bestes Bild ist immer das Nächste.😉
Häufig gestellte Fragen zur Autofotografie
Welche Kameraeinstellungen eignen sich für Autofotografie?
Für ein stehendes Auto kannst du mit RAW, ISO 64–100 und ungefähr f/8 starten. Mit einem Stativ darf die Verschlusszeit den Lichtverhältnissen entsprechend länger werden. Bei fahrenden Autos wird die Verschlusszeit gezielt eingesetzt, beispielsweise ungefähr zwischen 1/30 und 1/125 Sekunde für Bewegungsunschärfe.
Welche Blende eignet sich zum Auto fotografieren?
Für klassische Gesamtaufnahmen funktionieren f/5.6 bis f/11 sehr gut. Ich verwende häufig f/8. Für Details oder stimmungsvollere Aufnahmen kannst du eine deutlich offenere Blende verwenden. Keine Angst vor f/1.4
Welches Objektiv eignet sich für Autofotografie?
Für klassische Fahrzeugaufnahmen sind ungefähr 35 bis 50mm am Vollformat ein sehr guter Bereich. Ein 24–70mm-Zoom ist deshalb besonders vielseitig. Weitwinkel und Teleobjektive können zusätzlich bewusst für kreativere Perspektiven eingesetzt werden.
Wann ist die beste Uhrzeit für Autofotografie?
Outdoor sind der frühe Morgen und der Abend meistens besonders dankbar. Rund um Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ist das Licht deutlich weicher als in der Mittagssonne.
Brauche ich einen Polfilter?
Nein. Ein Polfilter kann Reflexionen reduzieren und ist deshalb hilfreich, aber keinesfalls zwingend. Entscheidend ist, ihn bewusst einzusetzen.
Brauche ich einen Blitz?
Auch nicht. Mit natürlichem Licht lassen sich hervorragende Autofotos erstellen. Ein Blitz oder anderes künstliches Licht gibt dir jedoch zusätzliche Kontrolle und wird besonders bei aufwendigeren Beautyshots interessant.
Welche Perspektive eignet sich am besten für ein Auto?
Die klassische Dreiviertelansicht von vorne gehört zu den wichtigsten Perspektiven der Autofotografie. Trotzdem solltest du unterschiedliche Höhen und Blickwinkel ausprobieren, weil jedes Fahrzeug andere Proportionen besitzt.
Sollte das Auto im Quer- oder Hochformat fotografiert werden?
Klassische Fahrzeugaufnahmen funktionieren aufgrund der Fahrzeugform besonders gut im Querformat. Für Social Media und andere digitale Anwendungen solltest du heute allerdings zusätzlich Hochformate beziehungsweise mögliche 3:4, 4:5- und 9:16-Ausschnitte berücksichtigen.
Kann ich mit Auto fotografieren Geld verdienen?
Wie mit fast allem, lässt sich auch dabei Geld verdienen. Doch das sollte meines Erachtens nicht dein Anspruch sein. Fotografiere Autos, weil es dir Spass macht. Weil du Autos und die Fotografie liebst. Und nicht, weil du damit Geld verdienen willst. Erfreue dich an guten Bildern und versuche dich stets zu verbessern.
Wenn deine Auto Fotos gut ankommen, dann kommt die Geschichte mit dem Geld verdienen automatisch. Doch das sollte nicht die Intention sein.
Fazit: Gute Autofotografie ist mehr als die richtige Kamera
Beim Auto fotografieren geht es nicht darum, einfach die teuerste Kamera auf ein spektakuläres Fahrzeug zu richten. Ein gutes Autofoto entsteht aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren:
Licht, Location, Perspektive, Bildkomposition und Bildbearbeitung.
Gerade am Anfang ist es völlig normal, dass nicht alles sofort funktioniert.
Fotografiere. Analysiere deine Bilder. Überlege, was dich stört. Und probiere es beim nächsten Shooting anders. Denn letztlich gibt es nur einen zuverlässigen Weg, besser in Autofotografie zu werden: Autos fotografieren. Immer und immer wieder. Denn wie heisst es so schön: Übung macht den Meister.
Du möchtest noch tiefer in die Autofotografie einsteigen?
In meinem Autofotografie-Ratgeber als E-Book gehe ich deutlich tiefer in die einzelnen Themen ein und zeige zusätzliche Praxisbeispiele, Übungen und meinen persönlichen Workflow.
Darin geht es nicht nur darum, welche Kameraeinstellung du verwenden solltest, sondern vor allem darum, warum ein Autofoto funktioniert – oder eben nicht. Mit nützlichem Bonus-Material und kostenlosen Preset und Instagram-Template.
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Und jetzt wünsche ich dir viel Spass beim nächsten Shooting.
Pascal
phPics Photography
phpicsphotography
Pascal ist Gründer von phPics Photography und Betreiber von phpics.ch. Als Schweizer Autofotograf liebt vor allem sportliche Raritäten und tiefergelegte Fahrzeuge!
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Mega!!😍
Toller Schreibstiel 😉 und sehr informativ
Hat spaß gemacht zu lesen!!
Danke sehr für die positive Rückmeldung. Freut mich zu hören!!!
Beste Grüsse
Pascal
PS: Sorry für die extrem späte Antwort. Dein Kommentar war aus irgendwelchen Gründen im Spam-Ordner gelandet.
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[…] so oft griff ich auch beim grünen Taycan zu meiner Standard-Kombination, wenn es ums Auto fotografieren geht. Die Nikon D850 in Verbindung mit dem Nikkor AF-S 24-70mm ist einfach ein unfassbar gutes Duo, […]
Bin gerade auf den Beitrag gestoßen, hat mir echt sehr gut gefallen! Danke für die vielen Tipps, damit wirds beim nächsten Fotoshooting was 🙂 Viele Grüße
Gerne. 🙂
Super hilfreicher Beitrag! 📷🚗 Du bringst sehr gut rüber, wie wichtig die Wahl der Location, die richtige Perspektive und das Licht für gute Auto-Fotos sind. Deine Tipps zu Kamera und Objektiv zeigen auch, dass man nicht unbedingt High-End‑Equipment braucht, sondern vor allem Technik & Gefühl zählen. Besonders spannend finde ich die Herangehensweise bei fahrenden Autos – die Dynamik in den Bildern wirkt authentisch und lebendig. Danke für die praxisnahen Ratschläge, die sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Fotografen weiterhelfen!